Bienenhaltung Am Gartenhaus, Teil 2: Praktische Aspekte

Haben Sie sich entschlossen, Ihr Gartenhaus zu einer kleinen Imkerei umzurüsten? Oder überlegen Sie noch? Die Vorteile: eine bessere Bestäubung und damit bessere Obsternte, die Bestäubung und Aufrechterhaltung der Artenvielfalt im Naturbereich und natürlich nicht zuletzt eigener Honig, Pollen, Wachs, Propolis oder Gelee Royale aus der Natur um Ihr Gartenhaus zusammengesucht und produziert von Ihren eigenen Bienen.

Diese Vorteile kommen nicht ohne Verpflichtungen und Verantwortung unter anderem eine Weiterbildung über die Vorgänge im Bienenvolk im Jahreslauf und die Konzepte der Imkerei.

Im Folgenden möchten wir einen kleinen Fahrplan erstellen, wie Sie praktisch vorgehen könnten, wenn Sie sich noch dieses Jahr für die Anschaffung von Bienen entscheiden.

Bienenkästen Im Gartenhaus Erfordern Gewisse Bauliche Voraussetzungen

Viele Gartenhäuser wären von der Größe her geeignet, als klassische Bienenhäuser, wie sie noch vor etwa 50 Jahren üblich waren zu dienen. Damals waren sogenannte Hinterbehandlungsbeuten üblich. Das sind Bienenkästen die hinten aufgeklappt wurden und wo die Waben dann nach hinten herausgezogen werden konnten. Da diese Kästen oben fest verschlossen waren, konnten sie auch in 2 Reihen übereinander gestapelt werden. Trotz der offensichtlichen Vorteile, nämlich dass die Holzkästen im Gartenhaus trocken und wettergeschützt stehen und dass auch die Winterkälte durch die dicht an dicht stehenden Kästen etwas abgemildert wurde, haben sich in letzter Zeit sogenannte Magazinbeuten weitgehend durchgesetzt.

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Diese bestehen aus einem Boden, einzelnen Magazinen, etwa mit 9 oder 10 Waben pro Magazin und einem Deckel. Damit lassen sich auch sehr große Bienenvölker mit bis zu 100 000 Bienen führen, wenn man einfach genug Platz gibt, indem man so viele Magazine, wie das Volk braucht aufeinander stapelt. Ebenfalls ermöglicht dieses System eine variable Trennung von Brutraum und Honigraum, indem man ein sogenanntes Absperrgitter zwischen legt, welches zwar für Arbeitsbienen aber nicht für die größere Königin passierbar ist. Das führt dazu, dass bei entsprechender Tracht dann die oberen Magazine (der sogenannte Honigraum) ausschließlich Honig enthält aber keine Maden, was wiederum die Honigernte sehr erleichtert, weil Maden ja zu Bienen heranwachsen sollen und nicht nach der Schleuderung im Honig herumschwimmen.

Sie könnten solche Magazine auch in Ihr Gartenhaus stellen und das wird tatsächlich manchmal gemacht aber dann brauchen Sie Fenster, die oben ungerahmt sind und einen Spalt offen lassen, damit Bienen, die nach dem Abheben des Deckels auffliegen, leicht herauskommen.

Ebenfalls sollten die Bienenkästen möglichst erschütterungsfrei und schallgedämpft stehen, damit die Bienen nicht jedes mal aufgeschreckt werden, wenn jemand über den Holzboden des Gartenhauses läuft.

Die Aufstellung der Beuten am Gartenhaus wird heute dem klassischen Bienenhaus vorgezogen

Ein Gartenhaus wäre gut zum Umbau zu einem klassischen Bienenhaus geeignet aber einer der Vorteile der Hinterbehandlungsbeuten, nämlich die Stapelbarkeit, fällt bei der modernen Magazinimkerei weg. Ebenso werden die Völker heutzutage größer geführt, als das in den räumlich beschränkten Hinterbehandlungsbeuten möglich war. Dazu kommt, dass moderne Materialien, wie Styropor oder Hartschaum mit sehr guten Isolationseigenschaften für den Bau von Magazinbeuten eingesetzt wurde.

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Dabei haben Magazine aus Holz aber keineswegs ihre Beliebtheit verloren. Eher im Gegenteil: In der Optik passend zum Gartenhaus aus Holz bieten sie auch die Option zum Selbstbau, falls Sie im Gartenhaus zufällig die entsprechenden Werkzeuge haben. Zudem hat sich dann später herausgestellt, dass die Bienen im Winter keineswegs die Beute, sondern ausschließlich die sogenannte „Wintertraube“ heizen. So nennt man die Traube von Bienen, die sich im Winter eng zusammengezogen aneinander schmiegt und als Ganzes über mehrere Wabengassen verteilt dem Futter folgt, welches in ihrem Bereich erst aufgetaut und damit verfügbar wird.

Heute überwintern Bienenvölker in einzeln aufgestellten Magazinen ohne weitere Isolation ohne Probleme.

Die Bienen Am Gartenhaus: Wie Verwirkliche Ich Diesen Traum?

Eine Voraussetzung wäre eine gute Aufstellmöglichkeit am Gartenhaus für die Beuten. Diese kann oder sollte vielleicht sogar in unseren Breiten ruhig sonnig sein. Ein Ständer, vielleicht für den Anfang zwei bis drei Meter lang und ca. 20 bis 30 cm hoch für die ersten drei bis vier Völker hält kleinere Tiere, wie Ameisen, etwas ab, ermöglicht einen von hohem Gras ungestörten Anflug auf das Flugloch. Eine Flugrichtung nach Westen oder Südwesten ist vorteilhaft.

Ein Dach ist durchaus möglich aber nicht nötig, wenn Sie genug Höhe lassen für mindestens fünf Magazine und sich selber, damit Sie aufrecht arbeiten können.

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Wenn Sie der Idee von den Bienen am Gartenhaus etwa näher treten, werden Sie merken, dass Sie in vieler Hinsicht die Qual der Wahl haben werden. Das betrifft zum Beispiel die Art der Beuten, das Wabenmaß und die Bienenrasse. Da Sie die Begattung Ihrer Königinnen in der Regel nicht kontrollieren können, außer Sie machen künstliche Besamungen, was im Allgemeinen keine Tätigkeit für Anfänger der Imkerei ist, wäre es von Vorteil, einmal auf die Suche der in Ihrer Umgebung nächstgelegenen Imkervereine zu gehen und diesen einen Besuch abzustatten, damit Sie erfahren können, welche Bienenrasse in Ihrer Gegend hauptsächlich gehalten wird.

Auch bei der Frage der Beute ist Kompatibilität mit den lokalen Gebräuchen von Vorteil, denn Sie werden Ihre ersten Bienen ja vermutlich von einem Imker in Ihrer Gegend kaufen. Wenn Ihr Wabenmaß und Beutenform also mit denen der Imker in der Gegend kompatibel ist, dann können Sie vielleicht die ersten Völker gleich in den Beuten kaufen und so wie sie sind auf den Stellplatz am Gartenhaus stellen. Das erspart das Umhängen von der alten Beute in eine neue und Ihnen und den Bienen den entsprechenden Stress.

Suchen Sie Einen Imkerpaten, Der Ihnen Mit Den Bienen Am Gartenhaus Hilft

Ob Sie überhaupt die Voraussetzungen für eigene Bienen am Gartenhaus mitbringen, darüber hatten wir schon im ersten Teil gesprochen. Frustrationstoleranz und Ausdauer gehörten zu den Erfordernissen, weil auch Sie werden, wie jeder Anfänger der Imkerei, vermutlich Fehler machen. Zeigen Sie sich bei Ihren Besuchen in den Imkervereinen von Ihrer besten Seite und lassen Sie sich gerne belehren, dann finden Sie vielleicht einen Imkerpaten, der Ihnen helfen könnte, die ärgsten Fehler zu vermeiden und Ihre Imkerei am Gartenhaus vielleicht sogar mal öfter besuchen kommt.

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Viele ältere Imker sind froh über Nachwuchs, den sie weniger als Konkurrenz sondern mehr als eine Fortführung einer uralten Tradition sehen, die in der heutigen Zeit mit ihren Agrargiften und übernutzten Landschaften wichtiger ist, denn je.

Zeigen Sie sich respektvoll und lernbegierig, selbst wenn Ihr Imkerpate einmal Ansichten vertritt, die Sie glauben besser zu wissen. Er wird Ihnen dennoch unendlich weiterhelfen können, denn der Erfahrungsschatz älterer Imker kann sehr nützlich für Sie sein.

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