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Igel überwintern – Tipps und Tricks für die Stacheltiere

Igel sind eine gefährdete Spezies; das bedeutet nicht unbedingt, dass sie akut vom Aussterben bedroht sind, aber ihre Lebensweise, wie zum Beispiel auch ihr Schutzmechanismus passt nicht mehr in die heutige, stark vom Menschen kultivierte und technisierte Umwelt. So ist das Zusammenrollen bei Gefahr zum Beispiel völlig unwirksam gegen Autoreifen und auf diese Weise kommen täglich tausende von Igeln auf den Straßen zu Tode.

Kabel- oder Abflussschächte, Ackerchemikalien oder auch Laubsauger, Mähroboter, Schneckenkorn und Rattengift in privatem Umfeld sind weitere lebensgefährliche Faktoren, die dem Kulturfolger zu schaffen machen. Versiegelte Böden, „aufgeräumte“ Gärten, engmaschige Zäune, die toten Böden der „modernen“ Landwirtschaft schränken den Lebensraum der Igel ein.

Wenn Sie diesem Nützling, der zum Beispiel auch gerne Nacktschnecken und sogar Wühlmäuse verspeist, bei sich im Garten um ihr Gartenhaus ein Refugium bieten möchten, dann lesen Sie im Folgenden, wie das geht und besonders auch, wie Sie Igel überwintern können.

Wie leben Igel?

Es ist recht einfach, Igeln im Garten ein wohnliches Zuhause zu bieten, wenn man etwas mehr über seine Lebensweise weiß.

Der nachtaktive Braunbrust-Igel (Erinaceus europaeus), so sein korrekter zoologischer Name, stammt aus der Ordnung der Insektenfresser und lebt einzelgängerisch. Er frisst Schnecken, Mäuse, Spinnen, Insekten, Frösche, Hundertfüßer, Schaben, Krebse und viele andere Klein- und Kleinsttiere. Was er nicht frisst ist Gemüse und Obst. Wenn Sie Igel an Fallobst sehen, dann locken ihn lediglich die krabbelnden Obstfresser dort hin.

In der stark genutzten, aufgeräumten Landschaft findet er immer weniger Lebensmöglichkeiten und deswegen zieht er sich zunehmend in die vielfältigeren Biotope von Privatgärten zurück. Hier kann er entsprechend große Jagdreviere jedoch nur nutzen, wenn Zäune Durchlässe von etwa 10 x 10cm in Bodenhöhe besitzen. Sie können sie einfach an einer Stelle nach oben biegen, mit Ziegelsteinen einen Durchlauf schaffen oder in Lattenzäune entsprechende Durchlässe sägen.

Jungigel werden zwischen Juni und August als etwa sechs Zentimeter lange, weißstachelige Babys geboren und werden die ersten sechs Lebenswochen lang von der Mutter gesäugt. Danach wiegen sie etwa 300g und beginnen dann sofort mit dem Anfressen des nötigen Winterspecks, wenn genug Nahrung vorhanden ist. Bis zum Beginn der Überwinterung sollten sie im Idealfall etwa 800g erreicht haben. Ausgewachsene Igel erreichen sogar 1,5kg.

Ein Hinweis: Igel kauen auf unbekannten Gegenständen oft ausgiebig herum, wobei auch schaumartiger Speichel aus dem Maul auftreten kann. Das ist kein Zeichen von Tollwut, sondern ganz normal.

Der Winterschlaf

In der Natur der Wälder sind Unterschlüpfe für den Winterschlaf vielfältig vorhanden: Überall, wo Äste, Zweige oder umgestürzte Bäume Hohlräume unter der dicken Herbstlaubschicht bieten, können sie es sich gemütlich machen. Wenn ein Schutz gegen Regen dazu kommt, umso besser.

Sobald die Temperaturen längere Zeit um den Gefrierpunkt liegen, ziehen sich die Igel dann zurück und verschlafen den gesamten Winter bei reduziertem Stoffwechsel, bei dem auch die Atmung und der Herzschlag deutlich verlangsamt ist. Dennoch haben sie im Frühjahr, wenn sie aufwachen, durchschnittlich 30% ihres Gewichtes verloren.

Je nach Temperatur, wachen die Igel auch schon früh auf und nutzen ihr Winterquartier während des ganzen Frühjahrs bis in den Mai hinein weiter als Unterschlupf besonders in kalten Perioden.

Igel überwintern – Wie können wir helfen?

Richten Sie Ihren Garten nach und nach immer naturnäher ein. Damit helfen Sie nicht nur Igeln, sondern gleichzeitig hunderten anderen Arten von Tieren. Speziell für Igel können Sie das Folgende machen:

* Totholzhaufen mit Reisig und viel Laub sind ideale, natürliche Winterquartiere

* Hecken, besonders dichte Hecken sind als Gartenbegrenzung Zäunen vorzuziehen

* Ihr naturnaher Garten bietet dem Igel auch genug Nahrung in Form von allen möglichen Kleintieren und Insekten

* Ein Igelhaus unter dem Reisighaufen bietet Komfort für den Winterschlaf

* Verzichten Sie auf Chemie im Garten und besonders auf Gifte, wie Rattengift und Schneckenkorn

* Räumen Sie Ihren Garten nicht auf! Damit helfen Sie gleichzeitig vielen anderen Arten von Insekten, Wildbienen, Schlupfwespen, Eidechsen, Vögeln und Kleinsäugern.

* Feuchtgebiete oder offene Wasserflächen, Steinhaufen oder lose Steinmauern helfen allen Ihren Gästen und damit auch dem Igel. Offenes Wasser zum Trinken ist für alle Tiere wichtig.

* Passen Sie bei Gartenarbeiten im Frühjahr auf, dass Sie bei Arbeiten in Bereichen, die als Unterschlupf geeignet sein könnten, vorsichtig vorgehen.

* Verwenden Sie keine Laubsauger

Aktive Hilfe

Baupläne für Überwinterungshäuser finden Sie im Internet. Es gibt auch aus Holzbeton gefertigte Überwinterungskuppeln im Handel zu kaufen.

Eine aktive Fütterung im Herbst kann mit Katzenfutter durchgeführt werden. Das geht mit Trocken- wie mit Frischfutter. Hundefutter ist dafür nicht geeignet.

Igel, die ein Pfund oder mehr auf die Waage bringen, sollten nicht aufgenommen werden. Eine Fütterung und Überwinterungshilfe reicht für Sie. Bevor Sie einen Igel aufnehmen, vielleicht weil er zu leicht ist oder verlaust, erkundigen Sie sich bei der Igelhilfe, wie Sie genau vorgehen. Viele Igel sind früher aus gutem Willen heraus in Häuser und Keller aufgenommen worden, manchmal bevor sie die Chance hatten, sich in der freien Natur ihr Wintergewicht anzufressen und haben den Winter dann nicht überlebt.

Falls Sie einmal ganz junge Igelkinder betreuen, die bis zu 300g wiegen, dann lassen Sie sie zusammen. Sie benötigen die Familie, Körperkontakt und Wärme. Erst wenn sie erwachsen werden, werden sie dann zu Einzelgängern und sollten dann auch getrennt voneinander gehalten werden.

Igel aufnehmen

Nur Igel, die nach längeren Kälteperioden noch bei Frost draußen herumlaufen und weniger als ein Pfund wiegen, sollten aufgenommen werden. Schaffen Sie Ihnen ein Gehege, wo sie bei Temperaturen von 10-15°C zunächst noch wach bleiben, entlaust, vielleicht entwurmt und aufgefüttert werden. Spezialisierte Tierärzte, Igelberatungsstellen, Igelstationen, Igelhilfe und Igelnothilfe wissen Rat und nehmen Ihnen die Tiere auch – wenn es nicht anders geht - ab.

Nach einer fachgerechten Versorgung können Sie das Tier in einem geräumigen Gehege unterbringen, wenn Sie geeignete Räumlichkeiten und die Geduld für tägliche Betreuung und Fütterung haben. Nicht jeder Schützling wird automatisch in den pflegeleichten Winterschlaf verfallen, sondern es kommt auch vor, dass solche Igel bis zum Frühjahr wach bleiben.

Igel eignen sich jedoch nicht als Haustiere uns sollten nach erfolgreicher Überwinterung alsbald auch wieder ausgewildert werden, was recht einfach geht. Eine Bindung an Menschen wurde noch nicht beobachtet.

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