Ein Bienenhotel bauen – Sinnvoll oder Zeitverschwendung?

Die Insekten sterben, das ist nicht nur der Eindruck vieler, die mit offenen Augen durchs Leben gehen, sondern schon wissenschaftlich bestätigt. Wissenschaftliche Erhebungen bestätigen einen Rückgang der sommerlichen Insektenbiomasse um 75 bis 80% in den letzten 30 Jahren. Menschen, die schon länger Auto fahren, bemerken den Unterschied auf ihrer Windschutzscheibe.

Mit dem Verschwinden der Insekten verschwinden auch die Vögel vielerorts, von denen viele Arten ja von Insekten leben.

Unter den Insekten spielen die Bienen eine besondere Rolle, denn sie bestäuben ja viele - besonders einheimische – Pflanzenarten, die wiederum die Lebens- und Nahrungsgrundlage unserer gesamten heimischen Natur bilden.

Kann man ein Bienenhotel bauen oder ein kleines Insektenhotel selber bauen und den Insekten, wenigstens im eigenen Garten, damit wirksam helfen?

Nutzen Insektenhotels etwas?

Die Menschen sind ob dieser Zustände alarmiert und möchten der Natur gerne helfen. Vor diesem Hintergrund wird es verständlich, dass Insektenhotels überall in Baumärkten angeboten werden und auch oft gekauft werden. Sie glänzen meist durch eine ganze Vielzahl von verschieden eingerichteten "Hotelzimmern", also Bereichen und Materialien, die Insekten oder Bienen Möglichkeiten zur Eiablage und erfolgreichen Vermehrung bieten sollen.

Dabei weiß kaum ein Laie, welche Insekten- oder Bienenarten nun genau welche Voraussetzungen zum Nisten benötigen. Mancher weiß vielleicht, dass in Deutschland über 500 verschiedene Wildbienenarten leben. Der Insektenarten insgesamt sind es bei uns gar über 30 000.

Was man als Laie weiß, ist dass es wohl einer großen Vielfalt bedarf, um allen diesen Arten ihre spezifischen Nistmöglichkeiten zu bieten und daher verkaufen sich Insektenhotels mit möglichst vielen verschiedenen Bereichen und Materialien auch immer am besten an die wohlmeinenden Naturliebhaber.

Leider findet man dann bei Kontrollen des Nisterfolges oft gerade mal ein, zwei oder drei verschiedene Arten, die das Angebot dort wirklich nutzen und Entomologen, so nennen sich Wissenschaftler, die sich mit Insekten beschäftigen, machen sich auch manchmal die Arbeit, die einzelnen Bereiche solcher Insektenhotels genau anzusehen und ihre Urteile über die kommerziell angebotenen Produkte sind leider meist vernichtend, etwa wie "völlig nutzlos". Ihre Empfehlung zu einer wirksamen Hilfe für die Insekten ist, solche Baumarktprodukte total zu boykottieren und den Menschen stattdessen wirklich hilfreiche Maßnahmen zu empfehlen. Wir kommen weiter unten noch darauf zurück.

Selber ein Bienenhotel bauen – Eine Alternative zum sinnlosen Baumarktangebot?

Ein kleines Insektenhotel selber bauen, vielleicht mit Kindern und ihnen so ein paar Stunden unterhaltsame Bastelei zu verschaffen und zu aktivem Naturschutz anzuleiten, ist bestimmt nicht völlig wertlos, wenn man die pädagogischen Aspekte betrachtet. Obwohl es doch sicher auch in der Hinsicht noch sinnvoller wäre, etwas zu tun, was dann auch wirklich etwas nutzt. Für Kinder kann es allerdings auch schon ein schöner Erfolg sein, hinterher auch bloß ein paar Mauerbienchen zu beobachten, die sich vielleicht in den Bohrungen im Holzblock einfinden.

An wirklichem Nutzen für die Gesamtsituation der Insektenwelt ist das Ergebnis im Vergleich zum Aufwand leider gering. Es gibt keine Insektenhotels, die die Vielfalt der Natur auch nur zu einem kleinen Bruchteil ersetzen könnte und Insekten sind Wildtiere, die nun mal keine „Hotels“ benötigen, sondern eine intakte, unberührte Natur.

Ein Bienenhotel am Gartenhaus

Ein Bienenhotel am Gartenhaus kann man immerhin als ein sichtbares Zeichen verstehen, dass man die Problematik des Bienen- und Insektensterbens erkannt hat und aktiv dagegen etwas tun möchte.

Wenn Sie das machen möchten, dann können Sie verschiedene Wildbienenarten mit Bohrungen in Holzblöcken oder -stämmen anlocken.

Beachten Sie dabei das Folgende:

  • Verwenden Sie ausschließlich Hartholz, wie Buche, Eiche, Robinie, Esche oder Obstbäume und auf keinen Fall Nadelbaumholz!
  • Verwenden Sie sehr scharfe Bohrer. Die Bohrränder dürfen keine Splitter haben, damit sich die Bienenweibchen, die dort rückwärts, also mit den Flügeln zuerst hineinkriechen, nicht die Flügel daran zerstören.
  • Bohren Sie nie ins Stirnholz, sondern immer nur senkrecht zur Faserrichtung!
  • Verwenden Sie nur gut abgelagertes Hartholz, damit sich nicht später noch Risse bilden. Bohrungen, durch die Risse im Holz verlaufen, werden in der Regel nicht angenommen, weil durch diese Pilze oder Parasiten in die Brutkammer eindringen können.
  • Verwenden Sie Bohrer mit 2 – 9 mm Durchmesser, wobei 7-9 mm deutlich seltener verwendet werden sollten, als 2-6 mm.
  • Blasen Sie die Bohrlöcher sorgfältig aus!

Wenn Sie hohle Stängel anbieten möchten, die auch ab und zu von Höhlenbrütern angenommen werden, dann gilt hier dasselbe: Nur absolut glatte Schnittränder gewährleisten Sicherheit für die empfindlichen Flügel. Ausgefranste oder auch nur leicht raue, faserige Schnittränder werden daher gar nicht erst angenommen.

Verzichten Sie auf Vielfalt und konzentrieren sich lieber auf Weniges, was dann auch funktioniert!

Es gibt Arten, die Höhlen in Lehmböschungen graben. Wenn Sie eine Lehmwand anbieten, dann müssten Sie auch für eine gleichmäßige Bewässerung sorgen. In trockenen, steinharten Lehm graben diese Arten nicht. Oder verwenden Sie sehr mageren Löß, der nach dem Trocknen nicht sehr hart wird.

Den eigenen Garten nutzen, um den Insekten zu helfen

Wir werden uns nicht damit aufzuhalten, zu beschreiben, was an kommerziell angebotenen Produkten alles unbrauchbar ist und aus welchen Gründen. Markhaltige Stängel etwa sind eine wichtige Insektennisthilfe, aber einzeln, senkrecht stehend im Garten und sicher nicht waagerecht liegend, im Insektenhotel, wo sie von Höhlenbrütern nicht angenommen werden, weil sie voll Mark sind und von Markbohrern nicht, weil sie waagerecht liegen. Die Vielfalt, die Insektenhotels durch ihre Gestaltung suggerieren, können sie tatsächlich nicht erfüllen. Also lieber einen Stamm oder Block mit Bohrungen, der tatsächlich von ein paar Mauerbienen oder Scherenbienen angenommen wird und darum herum einen Garten, der Bereiche bietet, wie Totholzhaufen, Feuchtgebiete, natürliche Wildpflanzenarten und durch seine Bewirtschaftung mit naturnahen Bereichen, in denen nicht "aufgeräumt" wird, der dann tatsächlich vielen Insektenarten eine Heimat geben kann.

Natürlich gehört auch ein völliger Verzicht auf Insektizide im Garten dazu.

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