Biologische Schädlingsbekämpfung: Der Marienkäfer

Wir hatten schon wiederholt darauf hingewiesen, dass ein naturnaher, insekten- und vogelfreundlicher Garten die beste Versicherung gegen Verluste durch Schädlingsbefall ist und auch beschrieben, wie Sie Ihren Garten mit wenigen, einfachen und weitgehend unauffälligen Maßnahmen so gestalten, dass die natürliche Artenvielfalt wächst und damit ein biologisches Gleichgewicht zwischen den Arten entsteht, welches verhindert, dass eine bestimmte Art, die ausgerechnet Ihre Kulturpflanzen "zum Fressen" gern hat, sich stark vermehrt, ohne dass dann bald auch ihre Fressfeinde sich genauso stark vermehren und den Ausgleich wieder herstellen.

Im folgenden Artikel wollen wir einmal an einem Beispiel, nämlich mit dem Marienkäfer, genauer erklären, wie diese biologische Schädlingsbekämpfung durch Vielfalt und Giftfreiheit, wie sie auch im Biolandbau praktiziert wird, funktioniert.

Das Denken ändern - Biologische Schädlingsbekämpfung heißt Zusammenhänge erkennen

Die Hersteller von Pestiziden haben unser Denken geprägt. Das Wort "Schädlingsbekämpfung" alleine ist so etabliert, dass es sogar noch bei Biogärtnern Verwendung findet, die eigentlich schon verstanden haben müssten, dass es in einem sinnvollen Ökosystem gar keine "Schädlinge" geben kann, sondern nur ein Zusammenwirken vieler verschiedener Arten. Gesunde Pflanzen an geeigneten Standorten überleben ohne Probleme in einem solchen Ökosystem, wie die Natur es uns immer wieder beweist.

Die biologische Schädlingsbekämpfung nutzt Marienkäfer – und zwar speziell deren Larven – für die Bekämpfung von Blattläusen, Spinnmilben und Schildläusen. Sie können diese Larven etwa bei starkem Befall kaufen, auf die befallen Pflanzen setzen und dann zusehen, wie die Blattläuse aufgefressen werden.

Wie es dann weiter geht, hängt von Ihrem Garten ab. Möchten Sie Marienkäferlarven jedes Jahr neu kaufen, wie vielleicht früher einmal, wo man chemischen Pestiziden gegenüber noch weit weniger kritisch war, weil man die Folgen noch nicht kannte und lieber der Werbung glaubte, das Blattlausspritzmittel? Oder schaffen Sie im Garten hinter dem Gartenhaus geeignete Stellen, an denen sie sich verpuppen, zu Marienkäfern werden, schließlich überwintern und im nächsten Frühjahr wieder neu auf die Blattlaussuche gehen?

Lernen Sie Ihren Nützling kennen: Einige Fakten zum Marienkäfer

Marienkäfer sind beliebt: Der Name wurde ihm von Bauern gegeben, die ihn als ein Geschenk der Mutter Gottes, Maria, ansahen. Sie sind gutartig, hübsch und fast jeder hat schon mal deren Punkte gezählt. Tatsächlich gibt es weltweit etwa 4000 verschiedener Arten mit unterschiedlicher Punktzahl von 0, also gar keinen Punkten, bis zu 24 Punkten. Als Grundfarbe ist rot am bekanntesten, es gibt jedoch auch gelbe, beige, braune und sogar rosa Marienkäfer.

Die Larven sehen ebenfalls gepunktet aus, jedoch sind die Punkte hier dunkel gefärbte Warzen, aus denen Borsten oder sogar Stacheln entspringen.

Bei uns in Deutschland, mit etwa 100 verschiedenen Arten, ist der Siebenpunkt-Marienkäfer am weitesten verbreitet. Er lebt in Wiesen und in der Krautschicht von Wäldern und ernährt sich hauptsächlich von Blatt- und Schildläusen und deren Larven, von Spinnmilben. Als Schutz vor Fressfeinden dient die auffällige Färbung, die auf seinen bitteren Geschmack hinweist, sowie eine giftige, gelbe Flüssigkeit, die er aus den Beingelenken absondern kann.

Ein Gelege eines Marienkäfer-Weibchens kann bis zu 800 Eier enthalten, aus denen schon nach einer Woche Larven schlüpfen, die rot gefleckt sind und schon gleich beginnen, Blattläuse zu fressen. Die Wachstumsphase hat vier Stadien, bis je nach Ernährung nach drei bis sechs Wochen die Verpuppung erfolgt. Bis dahin hat jede Larve schon durchschnittlich 50 Blattläuse pro Tag gefressen. Es kommen also Zahlen von 1000 bis 2000 Blattläusen pro Larve zusammen. Die Puppe hängt zwei Wochen lang kopfüber unter Blättern und Blüten, bis der Marienkäfer schlüpft, der dann auch bald seine typische Färbung annimmt.

Während die erste Generation des Jahres meist noch im selben Jahr stirbt, überwintert die zweite Generation, die im Sommer schlüpft, als fertige Marienkäfer unter lockerer Baumrinde, unter Laub, in Stein- oder Totholzhaufen oder unter Moos. In sogenannten "sauberen" oder "ordentlichen Gärten" finden sie wohl die wenigsten Überwinterungsmöglichkeiten.

Ist der Marienkäfer gefährdet?

Er gehört trotz des anhaltenden Insektensterbens glücklicherweise noch nicht zu den gefährdeten Arten. Seine größten Feinde sind Gärtner, die Blattläuse bekämpfen, besonders die, die das mit Pestiziden tun, da er gegenüber diesen Giften empfindlicher ist, als die Läuse selber.

Auch die Bekämpfung mit ungiftigen Mitteln, wie etwa das Abspülen mit hartem Wasserstrahl, das Absammeln, Zerquetschen, Abstreifen, Sprühen mit Knoblauch- oder Schachtelhalmabsud sind kontraproduktiv. Zwar töten sie Marienkäfer nicht direkt, aber deren Bestände sind sehr abhängig davon, dass sie ausreichend Futter finden. Eine eigenhändige Bekämpfung von Blattläusen wird also immer zu einem Schrumpfen Ihrer Marienkäferpopulation führen.

Parasiten stellen eine weitere Gefährdung da. Fressfeinde eher nicht. Insektenkundler sehen eine weitere Gefährdung im massenhaften Auftreten des in Hamburg eingeschleppten asiatischen 19-Punkt-Marienkäfers.

Wie fördern Sie den Marienkäfer im Garten?

Die Beschreibung der Lebensumstände, des Lebensraumes und der Überwinterung sollte Sie darauf gebracht haben, was Sie in Ihrem Garten tun können, um den Marienkäfer bei sich heimisch zu machen: Eine natürliche Wiese oder Krautschicht als Lebensraum, Totholz- oder Steinhaufen, Moos oder Herbstlaub zum Überwintern und natürlich darf das wichtigste, nämlich das Futter nicht fehlen. Dabei brauchen Sie keine Blattläuse zu kaufen, sondern können sich auf das natürliche Vorkommen verlassen, welches in einer ausbalancierten Natur immer wieder auftreten wird.

Das ist ein Teil dieses Umdenkens, das Sie als biologischer Gärtner MIT der Natur anstatt GEGEN sie lernen: Sie werden sich über Blattläuse freuen, denn nur wenn sie gut genährt werden, dann werden Ihre Marienkäferbestände im Garten auch wachsen. Eine direkte Beziehung zwischen Marienkäferbeständen und Ernährung, also Blatt- und Schildlausvorkommen ist nachgewiesen.

Aus der Schlupfdauer von einer Woche ergibt sich eine oft geteilte Erfahrung von Biogärtnern: Wenn Sie auch bei starkem Blattlausbefall erst einmal gar nichts machen, dann ist das Problem meist nach 10 Tagen "von alleine", nämlich durch die Fresstätigkeit der zahlreichen Marienkäferlarven, erledigt. Für die befallenen Pflanzen sind Blattläuse meist kein größeres Problem.

So wandelt sich die Sichtweise und aus dem Stichwort: "biologische Schädlingsbekämpfung durch Marienkäfer" wird die Hoffnung, dass es auch dieses Jahr wieder genug Blattläuse geben wird, dass der Marienkäferbestand im Garten stabil bleibt.

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