Können Sie als Hobbygärtner Terra preta herstellen?

Humus, Kompost, Mulch: Organische Bestandteile im Boden sind Trumpf bei der Biogärtnerei und in naturnahen Gärten. Ganz anders als das im wahrsten Sinne verwüstende Konzept der petrochemischen Massenlandwirtschaft, die den Boden nur noch als Verwurzelungssubstrat für die Kulturpflanzen sieht, die dann mit den passenden Chemiecocktails quasi aufgeblasen werden, setzt die Natur-, Bio- und biovegane Gärtnerei auf lebendige Böden, die als Bestandteil der Natur die Kulturpflanzen als widerstandsfähige Organismen in ihren ökologischen Systemen beherbergen. Klar, dass man dann auch weniger, idealerweise gar keine Gifte mehr einsetzen muss, dass man an seinem mit Leben erfüllten Garten mehr Freude hat und dass die Erzeugnisse weit besser schmecken, als die chemisch erzeugten Produkte aus dem Supermarkt.

Der umweltbewusste Gärtner vermeidet Torf

Hochmoore sind einzigartige, ökologisch wertvolle Feuchtgebiete, in denen viele seltene Arten leben. Sie sind durch den Torfabbau gefährdet. Im Garten wird Torf entweder direkt verwendet oder in Pflanzenerden mit teils hohen Torfanteilen zugekauft. Torf ist eine Quelle für das ersehnte organische Material im Boden. Es speichert Wasser und darin gelöste Nährstoffe, lockert schwere Böden auf und verbessert die Wasserspeicherfähigkeit leichter Sandböden.

Bei der Suche nach einem Ersatz von Torf ist man auf die sogenannte Terra preta gestoßen. Bei ihr übernimmt Holzkohle zusammen mit organischen Resten und Kompost die Rolle des Wasser- und Nährstoffspeichers.

Kann man Terra preta herstellen? Um es vorweg zu nehmen: Manche sagen, man kann es nicht, das Rezept sei durch die Eroberung Südamerikas durch die Spanier endgültig verloren gegangen. Andere sagen es geht. Wir denken, es geht, weil wir glauben, dass Terra preta eine weiter gefasste Gruppe von Gartenerden mit Holzkohle umfasst.

Lesen Sie, wie Sie Terra preta für Ihren eigenen Garten herstellen können.

Was ist Terra preta überhaupt?

"Terra preta de indio" wird eine alte, besonders fruchtbare Kulturerde des Amazonasbeckens von den dort jetzt portugiesisch sprechenden Einwohnern genannt. Man kann es mit "schwarze Indianererde" übersetzen. Schon seit etwa 1870 interessieren sich Geographen und Anthropologen für diese Erde, die in bis zu zwei Meter dicken Schichten in ehemaligen Siedlungsgebieten im Amazonasbecken vorkommt und durch scheinbar unendliche Fruchtbarkeit ohne jede Notwendigkeit, Dünger zuzuführen, aufgefallen war. Untersuchungen haben ergeben, dass sie ein menschengemachtes Gemisch aus Pflanzenkohle, Exkrementen, Speise- und Küchenresten und Kompost ist. Sie soll über Jahrhunderte entstanden sein, weswegen Kritiker auch sagen, dass man sie eben nicht so einfach nachbauen könne.

Allerdings wurden Erden mit ähnlicher Zusammensetzung und Fruchtbarkeit auch in Afrika, Indonesien, Schweden und Deutschland gefunden. Man kann also davon ausgehen, dass eine Mischung solcher Bestandteile im Garten spätestens nach und nach zu einer deutlichen Bodenverbesserung führt.

Wie können Sie Terra preta herstellen?

Hier gibt es zwei verschiedene Schulen: Die eine Schule geht davon aus, dass die Indios in Südamerika die Bestandteile gemischt und dann unter Luftabschluss fermentiert haben. Die anderen sagen, dass die Fermentierung gar nicht nötig ist.

Nach einem Rezept mischen Sie

  • 10% Holz- oder Pflanzenkohle
  • 60% fertig gereiften Kompost
  • 20% Exkremente oder Urin
  • 10% Pflanzenjauche

Dazu können Sie, wie bei allen Komposten, auch etwas Gesteinsmehl mischen.

Impfen Sie die Mischung mit effektiven Mikroorganismen, Sauerkraut- oder Brotsaft, legen Sie eine Folie über das Gefäß um einen Luftabschluss zu erreichen und lassen Sie der Mischung vier oder fünf Wochen Zeit, um zu fermentieren. Das sollte bei wärmeren Temperaturen im Zimmertemperaturbereich ohne Besonnung geschehen. Lagern Sie das Gefäß einfach so lange im Gartenhaus, bis es fertig ist.

Das Produkt bringen Sie auf den Beeten aus, etwa unter eine Mulchschicht. Sie können es auch leicht in die oberen Schichten einarbeiten. Bis die Terra preta fertig ist und die volle Düngewirkung entsteht braucht es allerdings noch weitere Prozesse im Boden durch dort lebende Bodenorganismen, was weitere Monate bis zu einem halben Jahr erfordert. Deswegen eignet sich Terra preta auch besonders für biologische und naturnahe Gärten, die bereits einen guten Anteil von Bodenorganismen beherbergen. Chemische Dünger oder sogar Gifte können dagegen die Entstehung der Terra preta verhindern.

Die Komponenten: Kohle

Die Kohle ist ja das Besondere, was Terra preta von anderen Gartenerden unterscheidet. Sie bringt die schwarze Farbe und sie bringt auch eine besonders große Oberfläche mit, auf der sich Mikroorganismen ansiedeln können, während sie selber über Jahrtausende unverändert im Boden erhalten bleibt. Sie saugt Wasser und die darin gelösten Nährstoffe auf, verhindert, dass diese mit dem Regen ausgeschwemmt werden und erlaubt den Pflanzen, sich dort mit ihren feinen Saugwurzeln zu bedienen, wie sie es gerade brauchen.

Eine weitere wichtige Komponente: Exkremente

Die Indios haben hauptsächlich ihre eigenen Exkremente verwendet aber auch die ihrer Tiere. Da gibt es heutzutage leider Einschränkungen durch die Verwendung von Medikamenten sowohl bei menschlichen Exkrementen als auch bei Tierdung. Medikamente werden in manchen Fällen unverändert, in anderen metabolisiert als chemisch modifizierte Substanzen wieder ausgeschieden, manche mehr über den Urin, andere mehr über den Stuhl.

Wenn sie – etwa mit einer sogenannten Komposttoilette – menschliche Exkremente verwenden möchten, dann sollten Sie nur solche Familienmitglieder auf diese Toilette lassen, die keine Medikamente nehmen. Immerhin haben Sie dann die Möglichkeit, wirklich unbelastete Exkremente zu bekommen, was bei Tierdung schon weitaus schwieriger ist. Selbst bei Biodung ist es nicht gesagt, dass die Tiere nicht Medikamente bekommen haben oder dass sie mit chemisch verseuchtem Futter, mit dem sie etwa das Pflanzengift Glyphosat aufgenommen haben, gefüttert wurden. In dem Fall könnten Sie Ihre schöne, selbstgemachte Terra preta nur noch als Unkrautvernichtungsmittel verwenden. Deswegen ist Eigenurin oder Eigenkot von Menschen, die sich biologisch ernähren, ein optimaler Bestandteil für Ihre Terra preta.

Eigenurin ist eine gute Möglichkeit, falls Sie schnell anfangen möchten oder falls Sie gar keine Möglichkeit haben, so auf die Schnelle eine Komposttoilette in Betrieb zu nehmen.

Pineca: Innovation, Tradition und Streben nach Perfektion im Dienst unserer Kunden verbinden sich bei der Herstellung hochwertiger Garten- und Wohngebäude aus Holz.

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