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Einen naturnahen Garten anlegen – Teil II

Während wir im ersten Teil unserer Reihe über die Anlage eines naturnahen Gartens darüber nachgedacht hatten, dass ein Verständnis des Zusammenspiels der tierischen, pilzlichen und pflanzlichen Komponenten eines Naturgartens wichtig für die Gestaltung aber auch für die Entdeckung der Schönheiten ist, - vielleicht auch, um in Ihrem Nachbarn, der neugierig über den Zaun guckt, zu erklären, was er eigentlich sieht – befassen wir uns im zweiten Teil mit einigen konkreten Maßnahmen, wie Sie Ihren naturnahen Garten anlegen können.

Gestalten Sie das, was da ist

Wir empfehlen nicht, nun Ihren Garten mit einem Bulldozer nieder zu walzen und ganz neu anzufangen. Die Natur findet immer einen Weg, sich Geltung zu verschaffen. Sie heilt, entwickelt Symbiosen, vielfältiges Leben und entwickelt diese ökologischen Lebensgemeinschaften immer weiter. Dabei darf Ihr Gartenhaus gerne stehen bleiben und auch Exoten können problemlos integriert werden. Eine Priorität werden Sie allerdings dann auf heimische Pflanzenarten legen, denn diese sind

  • angepasst und daher pflegeleicht, winterhart, ausdauernd und widerstandsfähig
  • machen daher viel weniger Arbeit als Pflanzen, die vielleicht exotisch sind oder an einen unpassenden Standort gepflanzt wurden und
  • haben einheimische Arten immer eine maximale Interaktionsfähigkeit mit anderen einheimischen Arten.

Also einheimische Blütenpflanzen unterstützen zum Beispiel einheimische Insekten am besten und einheimische Wildbienen bestäuben einheimische Obstarten oder Samenpflanzen. Von den Beeren und Samen leben einheimische Vogelarten, die wiederum einheimische Insekten – auch sogenannte „Schadinsekten“ in Schach halten.

Kurz gesagt: Die heimische Natur mit ihren verschiedenen Komponenten passt schon optimal zueinander. Sie weiß, wie sie die vielen Arten in eine fruchtbare Balance bringt und als Naturgärtner ist unsere wichtigste Aufgabe, uns erst mal einfach herauszuhalten. Dennoch gibt es natürlich einiges, was wir tun können.

Der Naturgärtner entscheidet, was wachsen darf

Viel weniger als aussähen und pflanzen, besteht die naturnahe Gärtnerei darin, heimischen Pflanzenarten Vorfahrt einzuräumen, die in dieses Zusammenspiel integriert sind und damit nicht nur Ihnen selber, sondern auch den tierischen Mitbewohnern Ihres Naturgartens, von denen Sie möglichst viele einladen möchten, nützen. Wenn also etwa eine Königskerze und eine gefüllt blühende Zierpflanze sich gegenseitig den Platz streitig machen, dann wissen Sie, wo die Priorität liegt. Gefüllte Blüten bringen leider meist nichts für Wildbienen und Hummeln, Vögel, Eidechsen und so weiter.

Einen naturnahen Garten anlegen können Sie natürlich auch, indem Sie aktiv heimische Gewächse dort hinein pflanzen, nachdem Sie sich vorher gründlich über deren Standortvorlieben kundig gemacht haben.

Eine Wildblumenwiese richtig angelegt

So gibt es auch hier diese beiden Möglichkeiten: Aussähen oder die Natur machen lassen. Generell sollte man wissen, dass Magerwiesen generell viel artenreicher sind, als gut gedüngte Wiesen. Während manche um Artenvielfalt bemühte Naturgärtner also ihren gut gedüngten Rasen mitsamt Untergrund abtragen lassen und auf sandigem Magerboden dann Wildblumenmischungen aussähen, nutzen andere den Mulch ihres Rasens solange – etwa als Dünger für ihren Nutzgarten -, bis der Rasen von alleine immer magerer wird und sich dann dort von alleine die gewünschte Blumenvielfalt ansiedelt.

„Unkraut“ gibt es nicht mehr

Jedenfalls bestimmt nicht mehr die Art, zu der eine Pflanze gehört, ob sie „Unkraut“ ist, sondern höchstens noch die Frage, ob die betreffende Pflanze nun dort, wo sie sich gerade ausgesät hat, dem Gärtner auch willkommen ist. Erdbeeren als ursprüngliche Waldbewohner, zum Beispiel, verwildern sehr gerne auch in schattige Bereiche hinein. Wenn sie nun dort von Giersch, der natürlich auch essbar ist, überwuchert werden, dann könnte der Naturgärtner entscheiden, dass er in einem bestimmten Bereich dort die Erdbeeren erhalten möchte. Der Giersch, in seiner Hälfte als willkommene Nahrungsergänzung willkommen, wird dann in der Erdbeerenhälfte zum „Unkraut“.

Ein berühmtes früheres „Unkraut“ dessen Vorteile etwa für eine eisenreiche Ernährung, aber auch als Niststätte für die blattlausfressenden Marienkäfer inzwischen fast jedem bekannt sind, ist die Brennessel, deren nahrhafte und gesunde Samen in entsprechenden Internetforen jetzt auch wieder Eingang in alle möglichen herbstlichen Rezepte gefunden hat.

So kehrt sich alles um, wenn Sie einen naturnahen Garten anlegen oder pflegen: Exotische Arten, wie etwa der chinesische Wacholder, einst der Stolz vieler Ziergärtner, von dessen Beeren hierzulande gerade mal eine einzige Vogelart nascht, werden im naturnahen Garten viel eher als „Unkraut“ eingestuft und beseitigt, als einheimische Arten, wie der einheimische Wacholder, von dessen Beeren 40 verschiedene Vogelarten und viele weitere Tierarten essen können.

Hecken als Lebensräume und Abgrenzungen im Naturgarten

Eine Hecke aus heimischen Gehölzen hat viele Vorteile, bietet Nahrung, Schutz für brütende Vögel, wie für überwinternde Igel im Unterholz, bietet Pilzen Lebensraum, blüht, bietet Insekten auch Nistmöglichkeiten und belebt einen Garten schon sicht- und hörbar, wenn man die ganzen zwitschernden Vögel ansieht, die sich in so einer Hecke wohlfühlen. Zudem sorgt so eine Hecke um den Naturgarten herum für ein günstiges Kleinklima, reichert die Luft mit Feuchtigkeit und Sauerstoff an, bricht den Wind, filtert Umweltgifte aus der Luft und wirkt lärmdämpfend.

Es wäre fast schon eine Sünde, einen Naturgarten mit etwas anderem nach außen abzugrenzen und diese Funktion der Abgrenzung einem hässlichen und für die Natur nutzlosen Zaun zu überlassen. Je nach Standort wird eine Hecke immer gegen unbefugten Zugang schützen können aber gleichzeitig auch für größere Säuger, wie Iltisse, Marder, Füchse, Kaninchen und so weiter Zugänge lassen.

Dabei gilt für die Naturhecke, wie für den ganzen Naturgarten: Artenvielfalt ist Trumpf.

Geeignete heimische Heckenpflanzen sind beispielsweise Liguster, Eiben, Hundsrosen, Hainbuchen, Brombeeren, Holunder, Haselnüsse, Roter Hartriegel, Weißdorn, Schlehen, Himbeeren, Faulbaum, Pfaffenhütchen, Stechpalme oder Vogelkirsche.

Eine Benjeshecke anlegen

Lagern Sie Strauch- und Schnittgut in Form eines etwa einen Meter hohen Walls ab. Dieser sollte mindestens vier Meter lang sein. Etwa jeden Meter setzen Sie einen der oben genannten Heckensträucher ein. Im Schutz des Reisigwalls gedeihen erst Wildkräuter, später siedeln sich dort im Zuge der natürlichen Entwicklung (Sukzession) auch Holzgewächse an.

Lesen Sie im dritten Teil, mit welchen Maßnahmen Sie Ihre Artenvielfalt noch vergrößern, indem Sie weiteren Kleintierarten Lebensraum geben und wie Sie in Ihrem Naturgarten einzelne Bereiche durch Düngung fördern.

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